So unterstützen Eltern ihr Kind beim Gitarre-Üben

Die Kindergitarre ist ausgepackt, die ersten Akkorde gezupft und die Begeisterung sowohl beim Kind als auch bei den Eltern ist groß – aber was kommt dann?

Wenn die grundsätzlichen Voraussetzungen für einen regelmäßigen Gitarrenunterricht erfüllt sind (Alter, körperliche/geistige Voraussetzungen, kein übervoller Terminkalender der Kinder usw.) spricht nichts gegen regelmäßigen Unterricht bei einem Gitarrenlehrer.

Spätestens dann fragen sich viele Eltern: Wie kann ich mein Kind beim Erlernen der Gitarre am Besten unterstützen und helfen? 

Aber wieviel Hilfe – und vor allem in welcher Form – ist sinnvoll und förderlich, und was ist eher hinderlich?

Wir maßen uns nicht an, diese Frage allgemeingültig beantworten zu können, denn: zu unterschiedlich sind sowohl die Voraussetzungen, die gesetzten Ziele als auch die Kinder selbst (und natürlich auch die Eltern!)

Wir wagen aber eine (subjektive) Antwort darauf, die den Erfahrungen von erfahrenen Gitarrenlehrern, die wir zu diesem Thema befragt haben, entspricht und im besten Fall einigen gitarrenbegeisterten Kindern und Eltern weiterhelfen kann.

Fall 1: Die Eltern sind selbst aktive Musiker und wollen ihrem Kind Erfahrungen und Tipps zum Gitarrespielen und Üben weitergeben.

Was auf den ersten Blick nach einer idealen Konstellation aussieht, erweist sich in der Praxis oft als schwierigere Ausgangssituation, dass ein Kind unbeschwert Gitarre erlernen kann.

Denn alle Tipps und jede „Fehlerkorrektur“ die musikalisch aktive und erfahrene Eltern Ihrem Kind geben, können in Summe betrachtet schon viel zu viel des Guten sein.

Gerade in den ersten Lernjahren auf der Gitarre (und natürlich auch auf sonst jedem Instrument) ist es wichtig, dass 1. die Begeisterung für das Musizieren erhalten bleibt aber 2. auch Fehler gemacht werden dürfen – die nicht unmittelbar korrigiert werden oder (bei besonders eifrigen Eltern) von vornherein unterbunden werden.

Denn auch wenn es ein etwas „abgelutschter“ Spruch sein mag, ist er in unseren Augen immer noch richtig: Durch Fehler lernt man! – und Kinder häufig noch mehr als Erwachsene…

„Fehler“ machen zu dürfen – und die Chance zu bekommen, diese Fehler selbst korrigieren zu können gehört in unseren Augen zum wesentlichen Bestandteil eines erfolgreichen und stetigen Übefortschrittes auf der Gitarre.

Nur so kann ein Kind auch selber Denkweisen und „Strategien“ entwickeln, um schwierige Passagen zu meistern oder aber auch um frustrierende Erlebnisse beim Üben zu überwinden, wenn zwischendurch so gar nichts klappen mag…

Können also musikalische Eltern gar nichts dazu beitragen, um Ihrem Kind beim Gitarre-Üben weiter zu helfen?

Wir wollen nicht behaupten, dass Eltern, die selbst Gitarre spielen, Ihrem Kind nicht unterstützend beistehen können, aber: Vermutlich können sie langfristig gesehen nicht wesentlich mehr zum Fortschritt beitragen als Eltern, die musikalische Laien sind oder sich überhaupt noch gar nicht mit aktivem Musizieren beschäftigt haben.

Kurzfristig gesehen mag der Anschein entstehen, dass Kinder von musikalischen Eltern schnellere Fortschritte erzielen, wenn durch „spezielle“ Tipps und Hilfestellungen rascher Ergebnisse produziert werden können.

Aber wie schon erwähnt: Eine „Abkürzung“ für besseren und rascheren Lernerfolg gibt es unserer Meinung nach nicht, wenn das Ziel eben auch sein soll, dass Kinder lernen sollen, selbst Lösungen für Probleme beim Gitarrespielen zu finden – und vor allem sich selbst motivieren zu können.

Womit wir beim 2. Fall angelangt sind:

Die Eltern sind keine aktiven Musiker und wollen ihrem Kind beim Erlernen der Gitarre behilflich sein.

Unser vorläufiges Fazit lautet also: Fachkenntnisse der Eltern sind nicht unbedingt erforderlich, damit ein Kind Gitarre spielen lernen kann!

Es gibt aber eine Art der Unterstützung die für alle Eltern von musikbegeisterten Kindern möglich ist:

Zeit und Aufmerksamkeit!

Gerade in jungen Jahren ist es für kleine Gitarristen/Musiker erfahrungsgemäß sehr motivierend und förderlich, wenn sich die eigenen Eltern (oder Oma/Opa etc.) für das Tun Ihrer Kinder (also das Gitarre-Spielen) interessieren und ihm Aufmerksamkeit schenken. Dabei reicht es, wenn man z.B. regelmäßig dem Kind beim Üben zuhört, es zwischendurch aufmuntert, wenn etwas nicht klappt und einfach „dabei“ ist beim Prozess des Übens. Das alleine kann einen jungen Musiker derartig motivieren und Kräfte freisetzen, was  durch ständiges Korrigieren, Kritisieren oder auch übermäßiges und übertriebenes Loben niemals erreicht werden kann.

Was nämlich leider zu oft vergessen wird:

Eltern haben einen ganz anderen Status als jede andere Person im Umfeld eines Kindes. Tipps oder sogar Kritik von einem objektiven und unvoreingenommenen Gitarrenlehrer kann fast jedes Kind wesentlich leichter annehmen als Input von den eigenen Eltern – egal ob dieser Input mit Strenge, sachlich oder emotional eingebracht wird.

Unser Fazit:

Musizieren und Gitarre-spielen soll für Kinder in erster Linie (und ganz besonders in den ersten Lernjahren) Freude bereiten. Durch zu viel „Einmischen“, Kritik und Input der Eltern wird eventuell der Weg für das Kind verbaut, eigene Problemlösungen zu finden und Frustrationen beim Üben selbst überwinden zu lernen (die wohl zu jedem Werdegang eines Musikers dazugehören).

Wir plädieren daher dafür, jedem Kind seinen eigenen Weg finden zu lassen – im Idealfall zusammen mit einem geeigneten Musiklehrer, der für den nötigen fachlichen Input in angemessener Art und Weise sorgt sowie Eltern, die mit Interesse und „Sich-Zeit-nehmen“ für den nötigen Rückhalt sorgen.

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